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Artikel vom 31.03.2010:
KARLSTADT
Konzert am Flügel des kleinen Mannes
Gemeinschaftsveranstaltung des „Sinfonischen Akkordeonorchesters Unterfranken“ und dem „Orchestra d'Accordions Módul-4“

(fh) Wer das Akkordeon für ein verstaubtes, etwas aus der Mode gekommenes Überbleibsel des 19. und 20. Jahrhunderts hält, wurde beim Gemeinschaftskonzert des „Sinfonischen Akkordeonorchesters Unterfranken“ und dem „Orchestra d'Accordions Módul-4“ eines besseren belehrt. Die beiden Ensembles zeigten zweifelsohne, wie vielseitig und modern der „Flügel des kleinen Mannes“ heute einsetzbar ist.
Im historischen Rathaus präsentierten erst die Unterfränkischen Akkordeonisten, dann die eigens aus Cerdanyola del Vall?s, einer katalanischen Kleinstadt bei Barcelona, angereisten Spanierinnen und Spanier ihre Programmauswahl, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Während sich das Sinfonische Akkordeonorchester unter der Leitung von Hauke Seifert hauptsächlich auf sinfonische aber auch europäische Volksmusik spezialisiert hat, widmen die Katalaninnen und Katalanen sich einem breiten Spektrum an Musikgenres wie Jazz, Klassik oder auch Unterhaltungsmusik.
Faszinierend am Klang eines solchen Konzertes sind die vielen verschiedenen Stimmen und Klangfarben, die ein Akkordeon erzeugen kann. So klingen sie mal nach Oboen oder Klarinetten oder auch nach Streichern. Es gelingt Hauke Seifert und seinem Orchester einen eindrucksvollen Klangteppich herzustellen, über dem die hohen Oberstimmen brillieren können. Besonders die chromatischen, teilweise schon dissonant wirkenden Läufe der eigens für Akkordeon komponierten „Musica Piccolina“ von Robert M. Helmschrott setzten die Musiker präzise um. Unterstützt von E-Bass und Schlagzeug wurden der „Ukrainische Tanz“ und der obligatorische Tango, diesmal der Klassiker „Jalousie“ von Jacob Gade, zum Klangerlebnis.
Auch die spanischen Gäste vermochten das Karlstadter Publikum zu entzücken. Bachs „Air“, gut arrangiert und begleitet von der Querflöte, eröffnete ein sonst eher weniger klassisch geprägtes Konzertprogramm. Höhepunkte waren die zwei Medleys, eines mit dem Titel „Von der Wolga zum Ural“, in dem sich die Musiker bekannter russischer Volkslieder wie „Kalinka“ aber auch Jazzstandards wie „Moscow Nights“ annahmen und das „Rendezvous mit Gershwin“, einer Reise durch die vielen Werke des großen New Yorker Komponisten, wie „Rhapsody in Blue“ oder „Somebody Loves You“.
Als Hommage an die Gastgeber erklangen auch zwei Bert („Fips“) Kaempfert-Titel: „Strangers in the night“ und, irgendwie logisch, „Spanish Eyes“.
Insgesamt waren die Gäste vielleicht technisch nicht ganz so virtuos wie die allerdings auch um einiges älteren Unterfranken, allerdings kann man den Senioritas und Senores doch sehr viel Temperament und Gefühl zusprechen, was sich nicht zuletzt auch bei Dirigentin Raquel Prat zeigte. Als fulminanten Abschluss spielten die beiden Orchester gemeinsam das Stück „Carnavalse“ von Marc Berthoumieux . Besonders zu erwähnen sei an dieser Stelle der Enthusiasmus der beiden Orchesterleiter, mit dem sie über europäischen Grenzen und große Distanzen (17 Stunden Busfahrt), dieses kulturelle Zusammentreffen möglich machten.
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Gemeinsamer Dirigent: Hauke Seifert dirigierte auch das von Módul-4 (rosa Hemden) und dem Sinfonischen Akkordeonorchester gemeinsame gespielte Stück „Carnavalse“.  Foto: Felix Hain


Von unserem Mitarbeiter Felix Hain






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Artikel vom 09.03.2009, erschienen am 10.3.2009 in der Main-Post:

KARLSTADT
Spanische Klänge und stehende Ovationen
Sinfonisches Akkordeonorchester Unterfranken macht Station in der Karlstadter St.Johannis-Kirche

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Das Sinfonische Akkordeonorchester bestehend aus zwölf Akkordeonisten aus dem Raum Unterfranken hat sich unter Leitung von Hauke Seifert zum Ziel gesetzt, den Ruf des Akkordeons als Instrument der Volks- und Stimmungsmusik umzukrempeln und hochwertige sinfonische, sakrale und europäisch geprägte Folk-Musik zu spielen. Mit ihrem einzigartigen Sound wirken sie durch verschiedene Konzertreisen auch am internationalen Kulturaustausch mit.
Die vollbesetzte Johanniskirche liefert optimale akustische Voraussetzungen für die Darbietung der abwechslungsreichen Klangvarianten und des vielseitigen Programms. Auf Grund der Spanienreise des Orchesters im kommenden Monat war die Auswahl demzufolge angereichert mit spanischen und lateinamerikanischen Stücken.
Doch zuerst widmeten sich die Künstler der klassischen Musik. Der erste Satz von Mozarts „Allegro con brio“ bildete den Auftakt des Konzerts. Der schneidende, teils dissonante Klang, der die Sinfonie eröffnet, verleiht dem Stück dramatische Züge.
„Con brio“, also mit Schwung, aber auch mit viel Dynamik und Präzision spielten die Musiker die schnellen, virtuosen Melodien und überzeugten mit dieser ungewöhnlichen, jedoch grandiosen Komposition.
Sehr langsam und melodisch ging es weiter mit Anton Bruckners „Adagio“. Dirigent und Leiter Hauke Seifert bemerkte, es sei sein Herzensanliegen gewesen, auch einmal ein melancholisches, ruhiges Stück ins Programm zu nehmen, das die obligatorische Drei-Minuten-Grenze überschreite. Mit viel Einfühlungsvermögen der Musiker wurden die verschiedenen Akkordeonstimmen zu einem Ganzen.
Mit „Adios Nonino“ des argentinischen Tango-Königs Astor Piazzolla begaben sich die Musiker auf das Terrain spanisch geprägter Kulturen. Dem Orchester gelang es einen authentischen Tango-Sound zu kreieren, der mit viel Lebhaftigkeit und Schwung begeisterte. Unterstützt wurden sie von Markus Fischer am E-Bass und Fabian Hörnis am Schlagwerk. Letzterer stellte durch verschiedene Perkussionsinstrumente wie Schellen, Cabasa oder Castagnetten eine überraschende Klangvielfalt her.
Die drei Spanischen Tänze von Enrique Granados und Friedrich Haags feurige, rhythmische „La Marioneta“ brachten mediterranes Temperament in die Johanniskirche.
Letztes offizielles Stück blieb Gian Piero Reverberis „Misteriosa Venezia“. Dem Gründer des italienischen Barock-Pop Ensembles „Rondo Veneziano“ gelingt es in diesem Meisterwerk, das Fließen der venezianischen Wasserstraßen in getragenen und beschwingten Melodien zu veranschaulichen. Das Publikum war von der ganzen Vorstellung mehr als angetan: Stehende Ovationen rundeten ein gelungenes Konzert passend ab. Wer nach diesem Besuch der Johanniskirche das Akkordeon noch für ein altbackenes Instrument hält, dem ist auch nicht zu helfen.

Von unserem Mitarbeiter Felix Hain