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Artikel vom 09.03.2009, erschienen am 10.3.2009 in der Main-Post:

KARLSTADT
Spanische Klänge und stehende Ovationen
Sinfonisches Akkordeonorchester Unterfranken macht Station in der Karlstadter St.Johannis-Kirche

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Das Sinfonische Akkordeonorchester bestehend aus zwölf Akkordeonisten aus dem Raum Unterfranken hat sich unter Leitung von Hauke Seifert zum Ziel gesetzt, den Ruf des Akkordeons als Instrument der Volks- und Stimmungsmusik umzukrempeln und hochwertige sinfonische, sakrale und europäisch geprägte Folk-Musik zu spielen. Mit ihrem einzigartigen Sound wirken sie durch verschiedene Konzertreisen auch am internationalen Kulturaustausch mit.
Die vollbesetzte Johanniskirche liefert optimale akustische Voraussetzungen für die Darbietung der abwechslungsreichen Klangvarianten und des vielseitigen Programms. Auf Grund der Spanienreise des Orchesters im kommenden Monat war die Auswahl demzufolge angereichert mit spanischen und lateinamerikanischen Stücken.
Doch zuerst widmeten sich die Künstler der klassischen Musik. Der erste Satz von Mozarts „Allegro con brio“ bildete den Auftakt des Konzerts. Der schneidende, teils dissonante Klang, der die Sinfonie eröffnet, verleiht dem Stück dramatische Züge.
„Con brio“, also mit Schwung, aber auch mit viel Dynamik und Präzision spielten die Musiker die schnellen, virtuosen Melodien und überzeugten mit dieser ungewöhnlichen, jedoch grandiosen Komposition.
Sehr langsam und melodisch ging es weiter mit Anton Bruckners „Adagio“. Dirigent und Leiter Hauke Seifert bemerkte, es sei sein Herzensanliegen gewesen, auch einmal ein melancholisches, ruhiges Stück ins Programm zu nehmen, das die obligatorische Drei-Minuten-Grenze überschreite. Mit viel Einfühlungsvermögen der Musiker wurden die verschiedenen Akkordeonstimmen zu einem Ganzen.
Mit „Adios Nonino“ des argentinischen Tango-Königs Astor Piazzolla begaben sich die Musiker auf das Terrain spanisch geprägter Kulturen. Dem Orchester gelang es einen authentischen Tango-Sound zu kreieren, der mit viel Lebhaftigkeit und Schwung begeisterte. Unterstützt wurden sie von Markus Fischer am E-Bass und Fabian Hörnis am Schlagwerk. Letzterer stellte durch verschiedene Perkussionsinstrumente wie Schellen, Cabasa oder Castagnetten eine überraschende Klangvielfalt her.
Die drei Spanischen Tänze von Enrique Granados und Friedrich Haags feurige, rhythmische „La Marioneta“ brachten mediterranes Temperament in die Johanniskirche.
Letztes offizielles Stück blieb Gian Piero Reverberis „Misteriosa Venezia“. Dem Gründer des italienischen Barock-Pop Ensembles „Rondo Veneziano“ gelingt es in diesem Meisterwerk, das Fließen der venezianischen Wasserstraßen in getragenen und beschwingten Melodien zu veranschaulichen. Das Publikum war von der ganzen Vorstellung mehr als angetan: Stehende Ovationen rundeten ein gelungenes Konzert passend ab. Wer nach diesem Besuch der Johanniskirche das Akkordeon noch für ein altbackenes Instrument hält, dem ist auch nicht zu helfen.

Von unserem Mitarbeiter Felix Hain